Rückschau auf die PLE-Tagung

PLE gibts das nun oder gibts das nicht?
In diversen Blogs ( 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8) wurde die PLE-Tagung bereits nachbearbeitet, ich schliesse mich nun an.
In seiner Keynote versuchte Prof. Michael Kerres aufzuzeigen, wie sich die herkömmlichen Lehrplattformen (LMS) in Zukunft zu Lernplattformen weiterentwickeln könnten.
Die Tatsache, dass zwei der drei Keynotes recht stark hochschullastig waren fiel mir zwar auch auf, doch hat mich das an einer «Fachtagung» mit diesem Publikum nicht so sehr erstaunt und ich habe eigentlich damit gerechnet, dass die beiden Referenten sich eher auf der Tertiärstufe bewegen. Und doch wäre es sehr interessant gewesen, auch deren Meinung zu hören, wie denn ein PLE – mal abgesehen davon, dass jede/r sein eigenes learning environment – deshalb auch personal (Zit.: R. Schulmeister) – auf einer Sekundarstufe aussehen könnte. Und vielleicht liegt gerade in der Aussage von Schulmeister die Antwort: Ein PLE auf der Sekundar- oder Primarstufe umfasst halt jene Geräte und Anwendungen, welche die Lernenden brauchen um zu lernen. So ist das bei manchen Bleistift, Buch und Papier, bei andern kommen noch Computer oder Handys dazu, einige nutzen YouTube und andere Web 2.0-Werkzeuge – ihrem Wissensstand und ihren Bedürfnissen entsprechend.
Das PLE gibt es also gar nicht?! Dies wiederum würde erklären, warum ich mich so schwer tat, mein persönliches (online) Lernumfeld zu erstellen (Ich habe netvibes, igoogle, jpolite, drupal und einige andere ausprobiert und bis jetzt noch nicht die Lösung gefunden, welche mir meine «Post-It-Sammlung», meine Onlinewerkzeuge, meinen Kalender, meinen Feed-Reader etc. etc. ersetzen.)
Um nochmal Prof. Kerres zu zitieren es braucht ein «Instrument» um Inhalte aus Lehrplattform und Inhalte aus eigenen Werkzeugen zu aggregieren und an einem Ort zu bündeln. Somit können sowohl Learning Management Systeme der Institution wie auch die persönlichen Werkzeuge mit welchen Inhalte generiert wurden/werden zusammengeführt werden.
Im Workshop von Dominik Petko ging es um ethische Fragen bei der Nutzung von PLEs. Er stellte den «Zirkel Ethischer Bildung» vor
- Sensibilisierung, dass überhaupt ein Problem vorliegt („Ich kann offen sagen, wenn ich etwas komisch oder anstössig finde und habe ein offenes Ohr für die Anliegen und Probleme anderer“)
- Selbst- und Fremdwahrnehmung („Wie geht es mir und wie geht es anderen in dieser Situation? Was will ich, was wollen andere?“)
- Klärung der eigenen Werthaltungen und der der anderen („Was ist mir wichtig, was anderen? Welche Massstäbe teilen wir, welche nicht?“)
- Reflexion und Beurteilung („Gibt es wichtigere und weniger wichtige Werte? Wie könnte ich so handeln, dass alle einverstanden sein könnten?“) – konkretes Handeln („Was kann ich tun, was für mich selbst und für andere gleichermassen gut ist?“)
Für die Lehrpersonen heisst das, dass diese selber Erfahrungen mit den «Welten» der Kinder sammeln sollen. Eine Lehrperson sollte wissen, welche Schritte vollzogen werden müssen um auf Pornografische Inhalte zu stossen und ob das zufällig oder bewusst geschehen kann. Sie sollten wissen, was in Social Networks passiert oder wie Filme und Bilder mit einem Handy erstellt und ausgetauscht werden. Um Probleme zu erkennen müssen diese Medien in den Unterricht einbezogen werden, denn erst so bieten sich Gelegenheiten, Probleme zu erkennen. Petko empfielt nun in heiklen Situationen nicht ein riesen Szenario zu machen (vorausgesetzt es handelt sich nicht um einen Strafbestand) und Schulleitung und Eltern als erstest zu informieren, sondern zuerst mit den Betroffenen die Situation und die daraus hervorgehende Problematik zu besprechen. Da gebe ich ihm beschränkt recht, wenn die Lernenden mit Sanktionen rechnen müssen, werden die Lehrpersonen auch nie irgend etwas aus ihrer Welt erfahren, andererseits sollte die Lehrperson auch abgesichert sein, um nicht als Verantwortliche für diese heikle Situation zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Und noch einmal, nicht nur um die Probleme zu erkennen sondern auch um Lösungen zu suchen sollten die Lehrpersonen gewisse Kompetenzen und eigene Erfahrungen vorweisen können, die über Textverarbeitung und Tabellenkalkulation hinausgehen!
Ein Kursteilnehmer stellte die Frage, wann er denn solche Probleme behandeln solle. Der erste Gedanke, welcher mir durch den Kopf schoss war, «Ist den Medienbildung so unwichtig, dass man eine solche Frage stellen muss?» Schliesslich hat die Schule doch die Aufgabe, die Kinder auf das Leben vorzubereiten!
Wir im Kanton Solothurn sind (zumindest auf der Primarstufe) in der komfortablen Lage, über das Gefäss «Medienbildung» zu verfügen. Doch der Lehrplan 21, welcher im Rahmen der Harmonisierungsbestrebungen in der Schweiz aktuell ausgearbeitet wird weist keine solchen Gefässe aus und sieht Medien und ICT als «Fächerübergreifende Themen» – meiner Meinung nach ein grosser Fehler, denn wenn kein Zusatzgefäss vorhanden ist, werden die Lehrpersonen darauf bedacht sein ihren Stoff zu vermitteln und fächerübergreifende Themen werden nur wenn noch Zeit «übrig» ist berücksichtigt.
PLE Tagung

Morgen findet die Fachtagung «PLEs in der Schule» statt. Das Tagungsprogramm ist reich gefüllt mit Leckerbissen, da ist zum einen die Keynote von Prof. Dr. M. Kerres, den ich nun schon einen guten Monat vor meiner ersten Präsenzveranstaltung live höre, auf welche ich sehr gespannt bin. Sein Thema: «Personal Learning Environments: Von der Lehr- zur Lernplattform?» Und auch die weiteren Keynotes lassen Interessantes erahnen.
Problematisch wird es dann bei den Workshops – ich kann mich einfach nicht entscheiden! Im ersten Block gibt es zwei drei Präsentationen, welche ich favorisiere:
Rolf Deubelbeiss (PH Zürich)
“Das Mobiltelefon als Teil der persönlichen Lernumgebung an Schulen? Eine vorsichtige Antwort mit zwei Beispielen aus der Schulpraxis”
Marc Graber (Universität Zürich)
Elektronische Lerntagebücher – ein didaktischer Selbstläufer?
Empirische Befunde zur Wirksamkeit des Lerntagebuchschreibens
Martin Hofmann (PH SG)
Next-Generation E-Learning Environments:
Erste Erfahrungen mit dem Open Source E-Portfolio System Mahara
die Vierte welche noch in Frage käme wäre
Andy Schär (PH FHNW)
“Lösungen stehen in Facebook”
Doch hier erhoffe ich mir Insider-Kontakte …
Für den Nachmittag habe ich mich wohl bereits für
Dominik Petko (PHZ Schwyz) Ethische Fragen bei der Nutzung von Personal Learning Environments
entschieden – einzig Thomas Mosers «Lernplattform oder Personal Learning Environment? Unterschiede aus praxisorientierter Sicht» würde mich auch noch interessieren. Auch der lernstick ist vertreten, doch für diese Präsentation habe ich mich bereits “entschuldigt”.
Im Tagungsprogramm wird dazu aufgerufen, die Beiträge, sei das in Blogs, bei Twitter oder bei Flickr, mit dem Tag #PLE09 zu versehen, so erhofft man sich die Beiträge besser auffindbar zu machen. Zudem sollen viele – hoffentlich die Präsentationen, welche ich verpasse – als Folien und/oder Aufzeichnungen zur Verfügung gestellt werden.
Update: Eben per RSS reingeflogen … schon wieder ist jemand schneller als ich … vor ziemlich genau neun Monaten habe ich einen Blogeintrag zu dieser Idee verfasst und mir schon mal Gedanken gemacht, wie so etwas aussehen würde. Falls noch irgendwo iPhones rumliegen würden, ich hätte auch noch eine Klasse, welche sich darüber freuen würde …
Microsoft Live Technologien

Der diesjährige Innovative-Teachers Wettbewerb setzt auf Microsofts Live Technologien. Lehrpersonen sollen zeigen, wie sie die Live Technologien wie Spaces, SkyDrive, Live Maps , Worldwide Telescope, Photosynth, Popfly welche zum Teil direkt aus den Microsoft Labors kommen oder bewährte Applikationen wie MSN Messenger im Unterricht einsetzen. Eventuell wäre auch das experimentelle Such-Tool taifiti ein Ansatzpunkt?
Wer sein Projekt bis zum 26. September 2008 einreicht, hat die Chance am Worldwide Innovative Teachers Forum in Bangkok teilzunehmen. Der Gewinner im nächsten Jahr (15. Januar 2009) wird nach Wien an das europäische ITF eingeladen.
Um die Lehrpersonen mit den neuen Technologien vertraut zu machen, lädt Microsoft am 10. September nach Wallisellen ein, wo ein Workshop den Einstieg erleichtern soll.
Ich bin gerade am nachdenken, was ich so zu bieten hätte. Die Einschränkung auf Microsoft-eigene Technologien erschwert mir die Arbeit ein wenig, doch kann ich das nachvollziehen, schliesslich kann man nicht zwei Jahre hintereinander “fremde” Technologien prämieren!
Meine Ideen gehen im Moment in Richtung MSN, mit welchem ich zwei Klassenhälften “vernetzen” könnte, z.B. anlässlich einer Unterrichtseinheit zu virtuellen Realitäten.
Eine weitere Möglichkeit wäre Popfly anstatt Scratch zum Programmieren einzusetzen.

