Internetkompetenz von Müttern

SWITCH hat unter 575 Kindern und Jugendlichen in allen Landesteilen der Schweiz eine Umfrage über das Internetverhalten durchgeführt. Die Ergebnisse regen mich zum Nachdenken und Schmunzeln an.
So schätzen z.B. sowohl Kinder (6 – 12 Jahre) als auch Jugendliche (13 – 20 Jahre) die Internetkompetenzen ihrer Mütter (zum Teil erheblich) geringer als die eigene, die der Hauptlehrperson und auch jene des Vaters ein. Was mag da der Grund sein? Überlegen wir uns einmal, wie alt Mütter von 13 – 20-jährigen Jugendlichen sind (wohl so zwischen 41 und 48) und was sie so tun. Wahrscheinlich werden viele Mütter nur Teilzeit arbeiten, sich um die Kinderbetreuung kümmern – dabei den Kindern ab und zu Fragen zu deren Internet-Konsum stellen – und den Haushalt ohne Internet besorgen. Währenddessen die Väter von der Arbeit zurückkehren, bei welcher sie mit Computern in Kontakt gerieten und die Treibende Kraft hinter der PC- und Internet-Anschaffung eines Haushaltes sind. Diese Überlegungen lassen mich zu folgendem Schluss kommen:
Männer mit Kindern werden von ihren Sprösslingen durch die Eingebundenheit in die Arbeitswelt und den daraus resultierenden Kontakt mit Computern im Umgang mit dem Internet kompetenter wahrgenommen als deren Frauen. Die Tatsache, dass die Mutter ständig nach den Internet-Abenteuern der Kinder und Jugendlichen fragt wird durch diese als fehlende Internetkompetenz missinterpretiert.
Oder es ist tatsächlich so, dass die Einschätzungen der Befragten stimmen und Mütter weniger Internetkompetent sind als Väter … und zum Schluss bleibt die Genugtuung dass Internetkompetenz wohl nicht gleich Medienkompetenz ist.
Die weiteren Ergebnisse sind so zusammenzufassen, dass fast 90 % der Kinder und Jugendlichen zu Hause und 96 % der Schulen über einen Internetzugang verfügen. Dieser wird auch rege genutzt. 78 % sind Mehrmals pro Woche im Internet (ungefähr die Hälfte der Befragten sogar täglich). Demgegenüber stehen 14 %, welche sich weniger als 1 mal pro Woche im Internet tummeln.
Viele Eltern beschränken den Internetzugang ihrer Sprösslinge aber nur ein Drittel interessiert sich für deren Aktivitäten. Die Jugendlichen bewegen sich recht sorglos in ihrem Medium wogegen ein Viertel der Kinder sich sorgt auf “böse Menschen” oder “Inhalte die Angst machen” zu stossen. Interessant finde ich, dass “Online-Spiele” vor der “Internet-Recherche” bei den Kindern am meisten genannt wurden und bei den Jugendlichen erst an neunter Stelle – die “internet-Recherche” rangiert auf Platz 5, hinter Freundschaften pflege, kommunizieren und dem Download von Musik (legal oder illegal ist hier nicht ausgewiesen). Und ich dachte immer dass genau die 13 – 20-jährigen jene seien, welche zu den WoW-Spielern gehören …
Die Häufigkeit des Interneteinsatzes in der Schule ist insofern nicht besonders aussagekräftig, da speziell nach dem Internet und nicht nach mediengestützten Lernszenarien gefragt wurde – alles was ohne Internet möglich ist, ist da wohl nicht eingeschlossen. Gut 60 % setzen das Internet mindestens 1 Mal pro Woche ein. Wenn man das vergleichsweise schlechte Abschneiden der Lehrpersonen bezüglich dem ihnen attestierten Internet-Wissen betrachtet doch ein gutes Ergebnis. Auf die Frage warum sich 10 % der Befragten weniger Internet im Unterricht wünschen habe ich keine Antwort.
Wie Kinder mit Computern umgehen …

Letzthin im Museum für Kommunikation in Bern: Ich stöbere durch die Ausstellung «As time goes Byte» – keine Kinder weit und breit. Computer von anno dazumal sind ausgestellt, doch diese scheinen die Kinder ebenso wenig zu interessieren, wie interaktive Stationen zu den Themen Peripheriegeräte, Algorithmen oder dem Weg der eMail.Zuvor in der Ausstellung zur (Tele-)Kommunikation von der Brief- über die Rohrpost zum Telegrafen und zum Radio und Fernsehen, alle (interaktiven) Stationen waren besetzt, die Kinder haben ausprobiert und kommuniziert.
Ganz zum Schluss dann in der eher langweiligen Ausstellung «Bilder die haften» zum Thema Briefmarken: Es gibt zwei Computerstationen, an welchen Kinder ihre eigenen Briefmarken gestalten und anschliessend ausdrucken können. Ein Vater mit seinen zwei Kindern (ca. 3 und 5 Jahre) gestaltet Briefmarken. Dem kleineren Kind assistiert er, indem er es bei der Mausbedienung unterstützt. Das grössere Kind gestaltet seine eigenen Briefmarken ohne Probleme selber, navigiert auf dem Bildschirm, fügt Grafiken hinzu, löscht wieder und druckt seine Produkte aus.
Mein Fazit aus diesen Beobachtungen:
- Kinder interessieren sich wenig für den Hintergrund von Computern, sie wollen sie benutzen
- Bereits kleinste Kinder sind heutzutage fähig, Computer (bewusst) zu bedienen und Ergebnisse herzustellen, dies sollten wir uns bei der Förderung der Kinder – sei das der eigenen oder in der Schule – merken
Weiter ist mir noch etwas recht besorgniserregendes aufgefallen: Gewisse Eltern haben extrem Mühe, einfachste Anweisungen zu lesen und diesen dann folge zu leisten. Die meisten Anweisungen sind so geschrieben, dass ein Mittelstufenschüler diese verstehen und ausführen kann. Doch mehrere Beobachtungen meinerseits zeigten, dass gewisse Eltern diese nicht ausführen konnten.
Digital Natives und wie sie sich präsentieren
Bereits vor einiger Zeit habe ich mal darüber gebloggt, wie meine ehemaligen Studienkollegen Facebook nutzen. Nun habe ich mich entschlossen erneut in diese Schreibrichtung zu gehen. Wie viele andere (nicht nur digital natives) höre ich Podcasts und lese fremde Blogs. Darunter sind auch das Blog von Jeremy und der Podcast von Zebi – zwei von vielen «digital natives», welche ihr Leben im Internet ausbreiten.
Beiden höre/lese ich schon seit längerem zu, wie sie über ihr Leben, ihren Beruf, ihr Studium, ihre Freizeit, ihre Freunde und Freundinnen, ihre Beziehungen, ihre Gelüste, ihre Antipathien, ihre Reisen, ihren Arbeitsweg, ihre Maturaarbeiten und neuerdings sogar über ihre Fitness-Projekte bloggen und podcasten.
Eigentlich finde ich das recht amüsant und schliesslich blogge auch ich über meine Gedanken, Ideen und Erlebnisse. Auch ich bin ein «digital native» und doch gibt es da einige Unterschiede. Auch ich schreibe Statusmeldungen bei Facebook, auch ich nutze Flickr aber bei all meinen Aktivitäten bemühe ich mich, meine Profile bei den diversen Social Networks möglichst unzugänglich zu gestalten, ich veröffentliche keine GPS-Daten aus meinem iPhone, ich veröffentliche nach Möglichkeit keine Bilder von mir und anderen Personen aus meinem Umfeld (mal abgesehen von einem Portrait und ein paar Schnappschüssen in den bereits genannten, möglichst geschützten Netzwerken) – sprich ich will noch meine Privatsphäre – oder bilde mir zumindest ein noch eine zu haben.
Diesen Eindruck habe ich bei gewissen Leuten nicht und ich stelle mir die Frage warum das so ist. Sind sich diese Leute bewusst, dass einmal veröffentlichte Dinge wohl ein Leben lang im Internet herumgeistern werden (erst gerade habe ich bei der Recherche zu einem andern Blogposting Bildmaterial von vor vielen Jahren gefunden)? Können sie damit leben, dass alle – ja alle! – ihr Leben auf Schritt und Tritt nachverfolgen können?
Vom hässlichen Entlein zum Schwan
Vor fast einem halben Jahr habe ich anlässlich einer Unterrichtseinheit mit Schülern zum Thema digitale Bilder über eine Webseite berichtet, welche auf eindrückliche Weise zeigt, welche Retouchen ein Model über sich ergehen lassen muss, bevor es auf dem Titelblatt eines Magazins erscheint. Dieses Video zeigt nun im Zeitraffer die Arbeitsschritte, welche notwendig sind, um aus einer gewönlichen Frau eine Dove-Plakat-Schönheit zu machen. Wieder ein Fundstück mehr für meine Sammlung!
Hier hinein passt auch noch die Weiterbildung, welche ich vor einigen Tagen zum Thema «Bilder, die lügen …» gefunden habe. Aus dem Kursbeschrieb:
Eingangstext:
Kinder und Jugendliche wachsen in einer Medienwelt auf, in der fotografische Abbildungen und eigenes Fotografieren selbstverständlich sind. Fotos wird nach wie vor ein Beweischarakter zugeschrieben. Es stellt sich die Frage, ob man fotografischen Abbildungen im Zeitalter digitaler Bildbearbeitungsmöglichkeiten noch trauen kann und ob man dies denn vor der Erfindung des Computers konnte.
Kursziel:
Die Teilnehmenden
– kennen und erkennen Bildmanipulationen
– lernen Adbusting-Collagen als pädagogische Methode kennenKursinhalt-Die Bedeutung von manipulierten Bildern für das Aufwachsen junger Menschen (Stichwort “Schönheitsideale”)
– Konzepte der rezeptiven und produktiven Auseinandersetzung
– Aufbau einer eigenen Bilddatenbank
– Eigenes Arbeiten mit Bildern
Wenn die Zeit es zulässt, werde ich mich da wohl anmelden.
Eine Woche ohne TV

Von Kapitel 1 im Medienkompass inspiriert haben meine Freundin und ich beschlossen, eine TV-freie Woche durchzuführen. Das bedeutet: Von heute Sonntag bis nächsten Samstag 24:00 gibt es keine Sekunde TV. Die Serien werden vom HD-Recorder brav aufgezeichnet um nach der enthaltsamen Woche trotzdem up-todate zu sein. Was ich mir davon erhoffe? Ein bisschen mehr Zeit für Literatur und meine Freundin, da der fehlende TV-Konsum nicht mit computergestützten Tätigkeiten oder gar Internetfernsehen kompensiert werden darf.
Wenns mir gefällt ziehe ich auch eine Handy-, Facebook-, …. und irgendwann einmal evt. sogar eine internet- oder gar computerfreie Woche in Betracht.
Prävention ist wichtig!
Ein bekannter und zwei wohl weniger bekannte, jedoch ähnlich beeindruckende “Werbespots” welche für mehr Sicherheit für Kinder im Internet “werben”.
Menschen, Bildung … Medienbildung

Eben habe ich die Seite medienbildung.ch via BullinoBlog entdeckt. Es handelt sich dabei um ein Produkt der PHZH. Die Seite bietet Informationen für Lehrpersonen, Schuleitungen, Behörden, Eltern und Fachstellen rund um das Thema Medien und Schule. So werden Lehrerinnen und Lehrer, welche Kurse und Beratungen für den gezielten Einsatz von Medien im Unterricht suchen entsprechende Kurse angeboten, Schulleitungen und Behörden finden Informationen und konzeptionelle Unterstützung bei der Erstellung von Medien- und ICT-Konzepten und Eltern oder Fachstellen finden Hinweise auf Referenten und Berater zu Themen rund um die Medienbildung.
Was ist eigentlich Medienbildung überhaupt? Die Seite selber gibt folgende Antwort:
Der Begriff ersetzt zum einen die früheren Begriffe Medienerziehung (die sich auf traditionelle Medien wie Film, Zeitung, Fernsehen, Fotografie ausrichtete) und Informatik bzw. Schulinformatik (die sich mit Computer bzw. digitalen Medien befasste). Zum andern weist er auf die Bildungstradition hin. Medien-bildung hat Selbstbestimmung und umfassende Mündigkeit zum Ziel.
Medienbildung umfasst daher ausdrücklich nicht nur Anwendungsfähigkeiten in der Nutzung von Medienbeiträgen, sondern auch die Fähigkeit, Medienbeiträge oder gar Mediensysteme kritisch und kompetent zu reflektieren, Medienwirkungen zu erkennen oder selbst kompetent eigene Medienbeiträge zu produzieren.
Was hat Photoshop mit Medienkompetenz zu tun ?

Nun schreibe ich doch noch darüber; schon seit einiger Zeit habe ich mir das vorgenommen, doch immer wieder vor mir her geschoben. Jetzt hat mich eine Pendlerzeitung drauf gebracht. Eine Redaktorin wurde zum Covergirl gempimpt und im Moment läuft eine Aktion, dass sich Leser und Leserinnen melden können, damit dann schlussendlich ein Leser(innen)foto ebenfalls als Covergirl (oder eben -Boy) zurecht gemacht wird.
Dies alles geschieht mit dem Bildbearbeitungsprogramm par Excellence, genannt Photoshop.
Schon seit einiger Zeit interessieren mich diese Verwandlungen und es sei hier einmal ein besonders eindrückliches und leicht verständliches Beispiel erwähnt: Eine schwedische Präventionskampagne, welche einen kritischen Umgang mit Medien – im als Beispiel wird ein Cover einer Modezeitschrift verwendet, an welchem in einzelnen Schritten dargestellt wird, wo das Bild manipuliert wurde.
Leider habe ich die Ausstellung «Bilder die lügen», welche eben erst im Musseum für Kommunikation zu Ende ging verpasst, sie befasst sich ebenfalls mit Bildern die «lügen».
Diese beiden Ansatzpunkte können als Einstieg (oder auch mehr) ins Thema Bildbearbeitung im Informatik- oder Medienbildungsunterricht dienen. Einerseits werden die Lernenden so mit der Tatsache konfrontiert, dass viele Bilder die uns erreichen manipuliert sind – und dies zu einem ganz bestimmten Zweck wie Propaganda, Werbung, … etc. Und andererseits können Basisfertigkeiten im Umgang mit einem Bildbearbeitungsprogramm geübt werden, indem selber solche Manipulationen durchgeführt werden.
Das Thema wird übrigens auch im Medienkompass 2 in den Kapiteln 10 und 11 aufgegriffen.
Via klippundklar.blog.de bin ich eben noch auf die educa-Seite zur Medienkompetenz gestossen.
Selbstversuch mit Online-Rollenspielen

Nun hab ichs also tatsächlich gewagt, man hört immer von virtuellen Welten und Spielsüchtigen, welche unzählige Stunden vor ihren Monitoren in ihren virtuellen Welten herumlungern und alles um sich herum vergessen.
Nach dem ich mir schon vor einiger Zeit eine SecondLife-Identität zugelegt habe, habe ich mir ein Herz gefasst und mir einen Testaccount für World of Warcraft zugelegt. Schliesslich will man ja wissen wo seine Schüler/innen einen Teil ihrer Freizeit verbringen.
Mein Fazit nach einer Stunde – als der Wecker klingelte erschrak ich mich regelrecht – so war ich in meiner neuen Welt “gefangen”.: Bereits mein Erschrecken zeigt, innert kürzester Zeit “lebt” man so in seinen Aufgaben und mit seinen Freunden, dass man alles rund herum vergisst. Rein pädagogisch betrachtet bietet mir das Spiel im Gegensatz zu SecondLife keine Möglichkeiten, wie ich es sinnvoll nutzen könnte.
Am Innovative-Teachers-Forum hat der Kollege George Kontellis aus Griechenland einen Beitrag präsentiert, in dem das Spiel Neverwinter Nights so “umgebaut” wurde, dass statt Hexen und Räuber nun Galilei und Co gesucht werden mussten. In deren Büchern standen keine Anleitungen um Rätsel zu lösen und böse Mächte zu besiegen, sondern Originaltexte von diesen Wissenschaftlern. Die Lernenden hatten die Aufgabe so ihr WIssen auf eine spielerische Art und Weise selber zu erarbeiten. Diese Möglichkeit fällt durch die Abgeschlossenheit von WoW weg, von daher bleibt mit als Medien(begeisterter)pädagoge wohl nur, den Jugendlichen einen angemessen Umgang mit diesen virtuellen Realitäten zu lehren und ihnen die Potenziale aber auch die Gefahren aufzuzeigen.
iPhone 2.0 und Lernen 2.0

Ich schliesse mich nun doch auch dem Hype und den Berichterstattungen rund um das iPhone 2.0 an, versuche aber das iPhone nicht nur als Gadget technophiler Apple-Jünger zu sehen, sondern auch über dessen Möglichkeit im Unterricht zu fantasieren …
Schon vor geraumer Zeit hat die PH FHNW Solothurn ein Projekt namens «Pocket for Pupils» lanciert, in welchem Primarschülern ein Handheld zur Verfügung gestellt und dessen Einsatz untersucht wurde.
Im Moment werden zwar OLPC und eeePC als die Geräte für den Unterricht gehandelt, doch das iPhone oder der iPod touch bieten durchaus auch Möglichkeiten für den Schulalltag. Da wäre zum Beispiel ein Taschenrechner, welcher durch kippen des Gerätes in einen wissenschaftlichen Taschenrechner umgewandelt wird. Office-Dokumente können angeschaut werden (wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie auch bearbeitet werden können), natürlich können eMails versendet, gechattet und im Internet gesurft werden, eine Kamera schiesst Fotos (und macht Videos?) und mit dem App-Store stehen ca. 4000 Entwickler davor, verschiedenste neue Software anzubieten. Diese reichen von Spielen, einfacher “Karteikarten-Software” zum lernen von medizinischen Begriffen bis zu virtuellen Musikinstrumenten, mit welchen eigene Songs komponiert werden können.

